Kenia Tagebuch 2010

Endlich wieder Kenia

29. und 30.01.2010
Ca. 2 Wochen später als sonst, allerdings alle happy, dass es auch in diesem Jahr klappt geht’s wieder los. Kenia ruft. „Alle“, das sind: Dieter & Beate, Jürgen & Britta, Ton, Friedel, Meinhard, Hermann, Timo, Jacek, Thomas, Chappi und wieder mal Tagebuchschreiber Olaf. Das Prozedere ist ja hinlänglich bekannt: Düsseldorf, Amsterdam, 8 Uhr morgens Nairobi. Leider hat der kleine Flieger nicht wie besprochen auf uns gewartet. So ist nach unserem Nachtflug die Alternative: weiter mit 2 Kleinbussen. Die Enttäuschung ist schnell verflogen, denn zur Entschädigung gibt’s natürlich Hähnchenessen in Nakuru. Außerdem sind die Eindrücke einer Fahrt quer durch Kenia ebenfalls nicht uninteressant – Zebras am Straßenrand, Schwertransporte auf Fahrrädern, Spurrillen im Teer so tief, dass man das Lenkrad getrost loslassen kann, Äquatortaufe, um nur einige zu nennen. Kurz nach 16Uhr haben wir dann das Kerio View erreicht. Der Empfang ist fast schon wie gewohnt superherzlich und die ersten Tusker lassen schnell vergessen, dass es zuhause schneit und schneit und schneit….

 

Weder der zunächst noch knackige Wind, noch die für einige mehr als 27-stündige Anreise halten Chappi als Einzigen davon ab, den ersten schönen Flug zu machen. Wer ihn kennt, hat ja auch nichts anderes erwartet. Die Luft ist die gleiche, der Startplatz noch breiter und beim Abendessen im Hotel kann man vermuten, dass auch die Verpflegung immer noch so gut ist, wie früher. Kurz, allerbeste Voraussetzungen für 2 oder 3 Wochen Spaß am Fliegen, Afrika genießen und einfach Urlaub machen.

Sonntag, 31. Januar 2010
Geplant war 8 Uhr Frühstück, 08:45 Uhr am Startplatz. Die ersten sind um 08:15 Uhr bereits gestartet, denn alle sind einfach heiß, endlich wieder zu fliegen. Auch unsere Neulinge, Jacek, Timo, Britta und Jürgen fliegen gleich schon mal zusammen mit Hermann, Dieter, Ton, Chappi und Thomas zum großen Wasserfall und zumindest teils wieder zurück. Nicht nur denen, die es noch nicht erlebt haben, ist anschließend die Begeisterung buchstäblich ins Gesicht geschrieben. So stört es auch niemanden, dass es am Nachmittag auffrischt und man sich mit Karten spielen oder einem Wiedersehen mit dem Ort Iten die Zeit vertreibt.
Zu erwähnen sind unbedingt die Colobus Affen. Die eigentlich sehr scheuen Tiere sind normalerweise gelegentlich nur mal am Rand des Hotelgeländes zu sehen. Zum ersten Mal erleben wir, dass sie sich in Scharen in der Hotelanlage herumtreiben. Die imposanten Gesellen springen in den Bäumen herum, machen sich aber sofort aus dem Staub, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Montag, 1. Februar 2010
Beate, Dieter und Ton brechen mit Jean Paul zu einer dreitägigen Tour durchs Tal in Richtung Norden auf. Schon im letzten Jahr waren die Mitfahrer alle begeistert davon, das ursprüngliche Afrika hautnah erleben zu können.
Leider zu spät! Nach gutem Frühstück hat der Wind schnell zugenommen. Nur Markus startet im richtigen Moment noch gewohnt souverän, bevor Thomas auf Tuchfühlung mit dem Zaun am Startplatz geht. Nix passiert, aber der Ehrgeiz, in die Luft zu kommen, lässt schlagartig nach. Statt dessen fällt schnell die Entscheidung, zum Nordstartplatz zu fahren. Für Britta, Jürgen, Timo und Friedel eine gute Entscheidung. Friedel landet an einer Schule am Rückweg gelegen und die anderen drei schaffen es problemlos, bis zum Landeplatz unterhalb vom Hotel zu fliegen. Erfreut über diese schöne Leistung, kann der Tag nicht mehr enttäuschen.
Am späten Nachmittag geht’s dann auch noch mal vom Hotel aus. Von den knackigen Verhältnissen ist nichts mehr da und wir landen nach ruhigen Flügen kurz vor Einbruch der Dunkelheit zumeist auf dem Landeplatz unterhalb des Hotels. Leckeres Essen und das ein oder andere Tusker lassen den Tag bei guter Stimmung dann dem Ende zu gehen.
Inzwischen sind am Nachmittag auch Klaus und Holger eingetroffen.

Dienstag, 2. Februar 2010
Heute will keiner den Zeitpunkt verpassen, in die Luft zu kommen, bevor es wieder auffrischt. Meinhard startet schon um 7 Uhr als erster und genießt seinen diesjährigen Jungfernflug in Kenia nach 7 Jahren, also auch ein Wiederholungstäter. Nachdem alle gestartet sind, führt die übliche Tour wieder am kleinen Wasserfall vorbei über die große Stromleitung bis hin zum großen Wasserfall und zurück.
Und – Pustekuchen, denn der Wind hat diesmal nicht aufgefrischt. Bei besten Bedingungen wird noch ein bisschen geflogen, bevor die lange Mittagspause beginnt. Schönen Gruß an Arne: und wieder mal, nachdem aus dem vollen Mond ein abnehmender geworden ist, ist der Wind deutlich eingeschlafen.
Gegen 15 Uhr treffen auch die Franken Ralph und Bernd ein. Das ist dann auch der Startschuss für einen fliegerisch aktiven Nachmittag, jeder nach seinem Gusto. Man fliegt vorm Hotel oder die inzwischen vertrautere Strecke Richtung Süden/großer Wasserfall. Thomas, der zusammen mit Bernd, Ralph und Chappi Richtung Süden unterwegs war, bringt allerdings keinen der anderen drei wieder mit zum Hotel. Die finden den Weg bis zum Abendessen dann mit dem Auto. Ansonsten wird vor Einbrechen der Dunkelheit auf dem Standard-Landeplatz auf dem Plateau oder auch immer routinierter am Startplatz gelandet. Hunger auf das bekanntlich gute Essen bestimmt - vorbereitet durch die Einnahme einiger Tusker - die Zeit zwischen 19:30h und 21:00h, bevor zum gemütlichen Teil übergegangen wird.

Mittwoch, 3. Februar 2010
Wieder macht der frühe Vogel Meinhard den Anfang und tastet sich dadurch immer mehr an „alte Zeiten“ heran. Nach Eiern in Form von Spiegel-, Rühr- oder doppelseitig gebackenem Ei, Bacon, spanischem Omelette mit Tomaten und Zwiebeln, frischen Mangos, Papayas, Bananen, Ananas oder Brot mit Käse oder süßen Sachen (damit wäre das Frühstück auch mal differenzierter beschrieben) sind die meisten wieder schnell am Himmel auszumachen. Vom Flug Richtung Süden kann man eigentlich nicht genug bekommen. Unser Jacek macht uns allerdings ein bisschen Kummer. Nachdem er bei Tambach „absäuft“, meint sein Bein bei der Landung die Bekanntschaft mit einem kantigen kenianischen Stein machen zu müssen. Im Eldoret Hospital erweist sich kurz darauf, wie phantastisch auch in Afrika Ärzte(innen) nähen können. Halb so wild, aber trotzdem aua…
In der Zwischenzeit sind Beate, Dieter und Ton von ihrer 3-tägigen Tour zurück. Von Iten aus ging es zur ersten Übernachtung durch die Cherangani Hills ins Pokot-Gebiet zum Mount Mtelo (3.325m).
Der zweite Tag führte sowohl zum Turkwel Staudamm, wie auch anschließend ins Turkana Gebiet. Zurück über den afrikanischen Markt von Sigor in Pokot Village angekommen, erlebten sie einen wunderbaren Abend mit traditionell aufgeführten Pokot-Tänzen, in die unsere Reisenden schnell integriert wurden.
Die Rückreise am dritten Tag endete dann nach noch schönen Eindrücken von der Fahrt durchs Kerio-Valley und über den Kerio–River nach ca. 510km am Nachmittag in Iten
Am Nachmittag das gleiche Bild wie gestern. Als die Mittagsträgheit gewichen ist, wird’s wieder bis zum Einsetzten der Abenddämmerung (die dauert hier echt nicht lange) ziemlich bunt am Himmel.
Übrigens sind inzwischen auch die letzten Nachzügler Willem und Babsi eingetroffen, womit wir dann komplett sind.

Donnerstag, 4. Februar 2010
Der Hof um den Mond am Vorabend ließ nichts Gutes ahnen. Es weht, allerdings tatsächlich von Westen, also der falschen Seite. Somit sind fliegerische Aktivitäten erstmal ausgeschlossen.
Jean Paul hat inzwischen 3 Motorräder angeschafft. Zusammen mit Ralph und Bernd fahre ich zu Toms Schule, der Salaba School. Überaus freundlich werden wir empfangen und dürfen Toms Klasse während des Unterrichts besuchen – wer hat das in Kenia schon mal erleben dürfen!
Danach geht’s weiter zur Chebonet School. Die Renovierungsaktion des letzten Jahres hat tatsächlich Früchte getragen. Bis auf einen, haben unsere Schützlinge tatsächlich alle Klassenräume gestrichen. Nach dem auch dort stattgefundenen Rundgang durch mehrere Klassen, geht’s abermals weiter zur Kobil Schule.
Die Fahrt mit dem Motorrad abseits der befestigten Straßen bringt Spaß pur – und satt roten Staub bis in alle Ritzen. An der Kobil Schule wiederholt sich erneut die Herzlichkeit, mit der wir begrüßt werden. Besichtigung des Anbaus und allen anderen Räumen mit Erklärung der geplanten Vorhaben, Teetrinken und mit den dort Arbeitenden reden sind toll, aber der tolle Empfang der zum Teil erheblich behinderten Kinder schlägt alles.
In der Zwischenzeit haben es Markus und Thomas doch gewagt, sich in die Luft zu schwingen, allerdings ohne viel Erfolg, denn der Rückweg findet mit dem Kieslaster statt.
Am Nachmittag steht die Kessup School auf dem Plan. Nach dem überschwenglichen Empfang finden wir uns inmitten singender Kinder wieder. Mit großem Aufwand hat man sich auf unser diesjähriges Kommen vorbereitet. Afrikanischer Gesang und Tanz, in die wir dann auch noch aktiv mit einbezogen werden, jagen eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken. Aber wirklich jeder von uns ist zutiefst ergriffen. Auch die Einladung zum Essen mit Grillen im neuen Schulgebäude (ja, schon richtig gelesen, gegrillt wurde auf Holzkohle im gut belüfteten Raum) beweist, dass man sich über das, was man für uns machen will, unglaublich Gedanken gemacht hat. Es ist, als würde man sich schon Jahre kennen und man kommt nach Hause.
Als Abschluss findet dann das große Fußballländerspiel Europaauswahl (Deutsche, Polen, Österreicher, Holländer, Franken und Bayern, kurz: 1. FZE Mzungu) – Kenia statt, diesmal mit den Lehrern, also Not gegen Elend. Mzungus ist übrigens der Ausdruck der schwarzen Kenianer für die Weißen. Das Endergebnis von 1:1 rehabilitiert uns ein wenig, wenn man an das 1:5 des Vorjahres denkt. Nächstes Jahr gewinnen wir, denn dann werden sich die Erstklässler mit uns messen.
Zum ersten Mal ist das Abendessen im Kerio View nicht mehr ganz so wichtig, denn wenn die Maus satt ist, schmeckt das Mehl bitter. Die Erlebnisse des Tages sind dann Gesprächsstoff für den ganzen Abend.

Freitag, 5. Februar 2010
Wie schon zu erwarten, ist das gestrige Wetter mit einem Tag nicht abgehakt. Der Wind weht zunächst noch aus Westen. Ab Mittag geht’s dann doch, aber erste Flugversuche von Thomas und Chappi sind nicht von Dauer. Sich zuziehender Himmel mit einzelnen Donnerschlägen bringt dann den noch als letzten fliegenden Willem mit einer Steilspirale schnell runter zum Landeplatz.
Ab Mittag kommen dann die Motorräder zum Einsatz. Jean Paul, Ralph und Bernd auf 2 Rädern, Timo, Friedel und Jacek im Pajero machen sich auf, wieder in Richtung Norden, nun sehr abenteuerlich mit Outside-Sleeping, Non-Dusching. Wir sind jetzt schon gespannt auf ihre Erlebnisse.
Aufgrund der vorliegenden Wetterverhältnisse steht der Nachmittag im Zeichen von Mau Mau, Eldoret besuchen oder sonstigen nicht näher zu erwähnenden Aktivitäten.

Samstag, 6. Februar 2010
Der weiße kenianische Gleitschirmflieger Jamie, der seit unserer Ankunft die Luft mit uns teilt, scheint Recht zu behalten. Das gegenwärtige Wetter soll sich 3 Tage halten. So auch heute. Nichtflieger würden nicht von schlechtem Wetter sprechen.
Daher sind schnell Alternativen gefunden: z.B mit dem Matatu runter zum Fluß ein bisserl Wandern und mit etwas Glück Krokodile beaobachten. Oder: Relaxen, denn an dem Blick runter ins Tal kann man sich einfach nicht satt sehen.
Kurz nach Mittag dann die Erkenntnis: warum fliegen wir eigentlich nicht? Der seit heute auf dem Startplatz parkende Helikopter sollte eigentlich kein Hindernis sein.
Ton macht mit Markus den Anfang. Als dann auch am Startplatz unter mehr als 60 neugierigen Kinder-Augenpaaren alte Löcher in seinem Schirm geflickt sind, startet auch Meinhard zu einer 25minütigen Privateinweisung „Fliegen an der Kante mit Chappi“ die mit Landung auf dem Top-Landeplatz endet. Danach ist sich Meinhard sicher: „Jetzt gehöre ich endlich wieder zu den Fliegern“. Schnell sieht man auch andere Schirme in der absolut ruhigen Luft bis wie auf Kommando alle absaufen und nach schönen Flügen zufrieden unten landen. Erkenntnis: auch wenn’s hier morgens so aussieht, als wenn nicht viel geht, kann’s doch noch richtig gut werden.
Danach hat sich’s zugezogen und ein harmloses Gewitter reinigt hoffentlich die Luft für die nächsten schönen Tage.

Sonntag, 7. Februar 2010
Es ist zwar bedeckt, die Basis nicht hoch, aber die Flugbedingungen sind ideal. Nach dem Frühstück sieht man schnell alle Flugwilligen in der Luft, vielleicht auch aus Neugier, um das Geschehen um die diesjährige Africa-Rallye zu beobachten. Dann jedoch wieder mal, ab Richtung Süden, auf die in der Ferne an der Kante aufsteigenden Wolken zu. Kurz vorm Wasserfall geht’s durch Wolkenschleier oder, wenn sie tiefer hingen, drum herum – ein Traum für jedes Fliegerherz (Wir haben alle deutschen Luftregeln eingehalten - grins).
Wieder gelandet am Hotel - Tons Schirm hat ganz leicht Schaden genommen und „muß deshalb unbedingt getestet werden“, versuchen sich Chappi und Meinhard an einem Kunststückchen, mehr oder weniger erfolgreich aber zum totalen Vergnügen der Kinder.
Das Hotel ist über Mittag rappelvoll. Viele Rallyebesucher verbringen ihre Mittagspause und es gibt keinen freien Platz mehr, weder im, noch ums Hotel oder zum Parken. Wer also seine Ruhe haben will startet am Nachmittag und fliegt meist vor dem Hotel und ohne Streckenambitionen. Allerdings wird’s von Norden her tief dunkel und so landen alle noch rechtzeitig, um trockenen Fußes das Hotel zu erreichen.

Montag, 8. Februar 2010
Eigentlich hätte man sich mit dem Frühstück beeilen müssen. Aber da wir ja alle gute Starter (wirklich?) sind, macht es nichts, dass der Wind dann ziemlich auffrischt. Als auch Meinhard nach dem 4. Versuch und einer kurzen ruhigen Phase in der Luft ist – na klar, was sonst – ab Richtung Süden. Mit 10 Schirmen sind wir unterwegs und Ziel ist wieder der große Wasserfall. Man könnte meinen, dass das langweilig werden könnte, aber weit gefehlt. Davon kriegen zumindest wir hier nicht genug.
Jamie, der weiße Kenianer hat uns begleitet und beim Versuch, weiter Richtung Süden zu fliegen, muss er leider runter. Naja, er kennt sich hier halt nicht so gut aus wie wir (grins).
Am Wasserfall geht es manchmal nur mit 7 km/h voran und die Thermik hier ist butterweich. So macht es Spaß, hier zu fliegen und zuzuschauen, ob es Meinhard schafft, nachdem er sich etwas weit nach hinten hat versetzen lassen, wieder bis vor an die Kante zu kommen. Der Wald unter ihm heißt übrigens ab heute Muffen-Forest.
Der Rückweg ist dann Formsache. Nach 90 Minuten oder mehr, je nach Startzeit erreichen wir unseren Ausgangspunkt, so dass man gegen Mittag nur in zufriedene Gesichter blickt (außer in Willems, der fliegt noch und landet dann irgendwo im Süden nach >4Stunden).
Zum Nachmittag frischt es weiter auf. Wer die kurze ruhige Phase nicht genutzt hat, bleibt am Boden. Britta demonstriert mit einem Frontklapper am Hotel, dass so ein Schirm ein doch wirklich sicheres Fluggerät ist, denn er öffnet sofort wieder und es geht sicher weiter. Trockener Kommentar dazu von ihr über Funk: “Hose voll, aber sonst geht’s“.
Auf jeden Fall gibt es wie eigentlich immer genügend Gesprächsstoff, um den Abend im Hotel am Kamin nicht langweilig werden zu lassen.

Dienstag, 9. Februar 2010
Wind, Wind, und blauer Himmel. Die Gruppe, deren Plan heute der Lake Baringo ist, bekommt unerwartet kräftigen Zuwachs und nun wollen fast alle mit. So macht man sich mit 2 Autos auf den Weg. Wie sich noch herausstellen sollte, ein gute Entscheidung, denn tatsächlich bläst es den ganzen Tag ziemlich mächtig. Heute ist also einer der wenigen Tage, wo das Fliegen hier ausfällt.
Wie auch in den letzten Jahren zeigt es sich, dass der Lake Baringo mit seinen Attraktionen wie Flusspferden, Seeadlern, Fischern, die auf ganz kleinen Booten mit „ihrer Beute“ unterwegs sind, immer einen Ausflug wert ist.

Mittwoch, 10. Februar 2010
Das ist das Schöne hier: auch wenn der Vortag „unfliegbar“ war, tags darauf ist es schon Vergangenheit. So geht es am Vormittag erneut in Richtung Süden. Am allseits bekannten Wasserfall kann man sich lange aufhalten und ohne Angst, „abzusaufen“ das ein oder andere Flugmanöver ausprobieren. Außerdem weiß bald jeder, an welchem Baum, Haus oder Felsen es generell nach oben geht. Schade, dass das Fliegen nicht überall so unproblematisch und es nach Kenia für’s Wochenende doch ein bisschen weit ist.
Am Nachmittag steht Fliegen in Blauthermik an. Da am Vormittag ja bereits das Streckenfliegen soweit abgehakt ist, tummelt man sich in unterschiedlichsten Höhen vorm Hotel. Das freut vor allem die Menschen in Iten, die auf diese Weise die Möglichkeit haben, dass Treiben der von allen hier bewunderten Gleitschirmflieger auch mal länger zu beobachten. Kein Wunder, dass wir immer wieder begeistert darauf angesprochen werden.

Donnerstag, 11. Februar 2010
Ein ereignisreicher Tag steht an. Heute wird die Gruppe einmal richtig durchgemischt. Die Abenteurer (zur Erinnerung: seit einer Woche unterwegs mit Motorrädern und Jeep) kommen am Nachmittag wieder zurück und bringen viele Erlebnisse mit.
Darüber hinaus gibt es einige bedauernswerte Heimkehrer (nämlich Beate & Dieter, Britta und Jürgen, Ton, Hermann und Thomas), die uns bereits jetzt schon verlassen müssen, um morgen von Nairobi aus ihren Heimflug anzutreten. Die seltene Gelegenheit, dass einmal alle gleichzeitig im Hotel sind, wird natürlich gleich für ein gemeinsames Gruppenphoto genutzt.
Geflogen wird selbstverständlich auch. Die Strecke zum Wasserfall wird inzwischen im Akkord absolviert – will sagen, einmal hin und zurück reicht nicht mehr. Es wird gerade Mode, diese Tour - speziell am Vormittag - mehrfach hintereinander zu bewältigen.
Nach Verabschiedung der Heimkehrer geht’s am Spätnachmittag erneut in die Luft. Wer die Nase immer noch nicht voll hat, fliegt noch mal zum großen Wasserfall, bekanntlich ca 25km. Aber auch einfach nur vor dem Hotel ein bisschen Genussfliegen steht auf dem Programm, bevor um 19Uhr wieder das Licht ausgeknipst wird.

Freitag, 12. Februar 2010
Langsam wird es schwer, Neues zu berichten. Nach dem Frühstück das gewohnte Bild: Starten und ab nach Süden. Der große Wasserfall ist aber nur noch ein Etappenziel. Es geht weiter bis weit hinter Charity (Eingeweihte wissen, das war mal ein Startplatz nah einer Schule bei Matungen). Mächtige Bärte verleiten immer wieder auch mal mit >8m/s aufzusteigen, um dann mit angelegten Ohren und Beschleuniger dem Eingesaugtwerden zu entgehen. Schwer nachvollziehbar für Nicht-Kenia-Kenner, dass wir kurz vor Mittag teilweise länger als 2 Stunden und mehr als 70km unterwegs gewesen sind.
Aber wer uns kennt, weiß: das reicht nicht, den Flugtag damit abzuhaken. Am Nachmittag geht’s vorm Hotel oder auch auf Strecke weiter. In butterweicher Thermik kann man bis zur Wolkenbasis fliegen, die bei 3600m liegt. Einziger Nachteil: da wird’s dann auch in Afrika kalt.
Am Abend kommen die Pokots ins Hotel. Das ist ein Volk aus dem Tal im Norden, das mit seinen urtümlichen Gesängen und Tänzen die afrikanische Atmosphäre so richtig fühlbar macht. Immer wieder werden wir mit einbezogen und spüren die Nähe zu einem echten Naturvolk.

Samstag, 13. Februar 2010
Der vierte Tag in Folge, an dem die Bedingungen wieder zum Streckenfliegen einladen. Nach mehr oder weniger gelungenen Starts (Timo und Meinhard werden mir verzeihen) wieder ab nach Süden. Aber schon unterwegs wird klar: heute ist es etwas anders. Mit wesentlich größerer Höhe fliegt man bis „Charity“ oder weiter. Wir haben dickere Wolken und diese bringen Unruhe in die Luft. Wo’s mit teilweise >8m/s rauf geht, geht’s natürlich auch genauso wieder runter - könnte man schon als ziemlich knackig bezeichnen. Und kurz vor Mittag sind die Meisten (mal abgesehen von Ralph und Bernd) nach mehr oder weniger langen Strecken wieder sicher zurück am Hotel.
Zwar kein Regen, aber ziemlich bedeckter Himmel am Nachmittag bedeutet – Fliegen eher nicht. Ralphs Schützling Tom braucht ein paar neue Sachen. So passt es gut, dass in Iten der samstägliche Markt ist. Schnell sind ein paar Anziehsachen gefunden. Allerdings fällt es manchmal schwer, wie hier üblich zu feilschen, wenn eine Jacke schon nur 2EUR kostet. Und wenn man dann schon mal in Iten ist, dann lässt man sich auch gern ein paar Samosas (das sind die inzwischen allseits bekannten und beliebten Hackfleisch gefüllten Teigtaschen) schmecken.
Am Abend ist dann mal nicht Hotel, sondern Disco in Eldoret angesagt. Auch das sollte man mal unbedingt in Afrika gesehen haben.

Sonntag, 14. Februar 2010
Den Valentinstag kennen wir auch, aber hier ist der „Valentines Day“ sowohl in den Geschäften, als auch im Hotel deutlich sichtbar.
Heute ist lange ausschlafen angesagt. Einerseits wurde es beim gestrigen Discobesuch in Eldoret etwas später, andererseits hört man schon früh am Morgen den Wind: kein Streckenwetter, nicht nach Süden, es weht.
Da eine Änderung am Nachmittag zunächst nicht in Sicht ist, die Sonne aber schon den ganzen Tag zeigt, was sie hier kann, ist Wandern angesagt. Zu fünft machen sich Ralph, Timo, Klaus, Bernd und Holger auf, den kleinen Wasserfall entlang ins Tal nach Kessup zu gehen.
So verpassen sie, dass sich das Hotel am Nachmittag richtig füllt. Viele Sonntagsausflügler aus der Umgebung nutzen das Wochenende, um hier zu relaxen. Da der Wind sich auch gelegt hat mache ich mich zusammen mit Chappi in die Luft. Jean Paul nutzt die Gelegenheit, seinen Sonntagsgästen richtig was zu bieten. Direkt vorm Hotel führt Chappi Satten, Spiralen, Wingovern und andere Späße vor, die mit Applaus und Gekreische quittiert werden. Danach fliegen wir zusammen zur Kontrolle der Wanderer zum kleinen Wasserfall, um ein bisschen schadenfroh zu winken.

Montag, 15. Februar 2010
Am Morgen das sonst übliche Bild. Geflogen wird wieder Richtung Süden. Da es aber gegen Mittag deutlich auffrischt fällt dann bald die Entscheidung: ab nach Eldoret zum Shopping. Hier kann man in urtümlichen Lädchen (eigentlich sind es Bretterverschläge, in denen in Handarbeit hergestellte afrikatypische Gegenstände – das Wort Souvenirs gefällt in dem Zusammenhang eigentlich nicht wirklich – angeboten werden) allerlei Interessantes erwerben. Handeln ist natürlich erste Pflicht.
Zum Nachmittag kommt wie bei echten Fliegern üblich dann aber die Ungeduld auf und wer noch fliegen will macht sich mit dem Matatu zeitig auf den Weg, um noch eine Stunde in ruhiger Abendluft zu genießen.

Dienstag, 16. Februar 2010
Endlich mal was wirklich Neues: wenig Wind. Starten wird dadurch zum Kinderspiel, oben bleiben eher nicht. Natürlich zieht’s uns wieder Richtung Süden. Bis zum großen Wasserfall ist das auch kein Problem. Wir sind eigentlich gewohnt, dass es dahinter unruhiger wird. Das ist heute nicht so. Chepsigot heißt der Ort, wo sich entweder an der Schule oder auf anderer freier Fläche die Menschen freuen, dass einige von uns absaufen und bei ihnen landen. Der anschließende Rückweg wird mit kleinen Motorrädern, LKWs oder alternativen Fahrmöglichkeiten absolviert.
Wer oben geblieben oder neu gestartet ist erlebt auch am Nachmittag schöne Flüge. Allerdings zieht es sich weiter zu und es beginnt dann auch zu regnen. So ist der fliegerische Teil an diesem Tag dann bald auch für alle beendet.
Erwähnenswert ist auf jeden Fall unser Klaus, der an diesem Tag mit 103 geflogenen km „Daywinner“ wird. Klar, dass ihn das am Abend zumindest ne Runde Tusker kostet.

Mittwoch, 17. Februar 2010
Das wirklich Neue vom Vortag wiederholt sich. Der Himmel ist ziemlich bedeckt und der Wind eher schwach. Trotzdem wird nach längerem Zögern teilweise doch noch gestartet. Und selbst bei diesen Bedingungen sind noch interessante Flüge möglich. Zum Mittag hin hört man erstes Donnern und die ersten Regentropfen kündigen sich an. Als alle sicher gelandet sind, macht der Regen Ernst, erst ganz langsam und vorsichtig. Als wir dann zum Abschieds-Grillen gemütlich in einer der vielen extra für diesen Zweck bestimmten Hütten sitzen regnet’s dann (wie man auf englisch sagt) „Cats and Dogs“. No Problem, denn das Strohdach lässt nur wenige Tropfen durch und hält dann ganz schnell erstaunlich dicht.

Donnerstag, 18. Februar 2010
Nun ist auch für uns der Tag des Abschieds gekommen. Nur wer dabei gewesen ist weiß, wie schnell drei Wochen vorbei sein können. Gegen 10Uhr geht’s für die, die es noch nicht erlebt haben, zurück mit dem Auto, um noch den Nationalpark von Nakuru zu sehen. Markus und ich ziehen den 45minütigen Rückweg nach Nairobi mit dem kleinen 2motorigen Flugzeug vor – auch das ist ein nicht zu unterschätzendes Erlebnis.
Wichtig: Afrika liebt man, oder man haßt es. Wieder war keiner dabei, der es nicht geliebt hätte. Wir sind schon jetzt gespannt, wer nächstes Mal dabei sein wird.
In diesem Sinne: „Kwaheri Rudi tena“ (Das ist Kiswahili und bedeutet: Auf Wiedersehen, come back again….)